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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Ein paar

SS - Männer haben die letzten Medikamente. die uns noch geblieben waren, eingepackt, aufgeladen und sind damit verschwunden.

Und die Tausende von Kranken?

Im übrigen sind die SS - Leute, die noch geblieben sind, ein­fach widerlich freundlich.

Sie grüßen uns sogar und wundern sich

über wundern.

daß wir uns dar­

,, Warum sagt man nicht, Guten Morgen'?", fragte mich der Oberscharführer ,,, ich sage doch auch, Guten Morgen'!" Ich habe getan, als ob ich ihn nicht verstünde! Wenn wir ihm noch vor einer Woche ,, Guten Morgen " gewünscht hätten, würde er uns wohl einen kräftigen Tritt versetzt und außer­dem ,, Meldung" gemacht haben, was uns noch fünfundzwan­zig auf den Hintern eingebracht hätte.

Eine Stunde später

Es geschieht heute so viel, daß ich es aufschreiben werde, so­wie ich einen Augenblick Zeit habe. Ich glaube, daß es rich­tig ist, all das festzuhalten, und fühle mich nun wieder als Reporter trotz allem. Später werden diese Aufzeichnungen vielleicht von Nutzen sein können, und ich bin nun einmal in der bevorzugten Lage, alles, was ich hier in diesen entsche­denden Tagen sehe und höre, notieren zu können.

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Ich fühle es absolut als eine Verpflichtung, dies so lange wie irgend möglich durchzuhalten.

Wie lange wird das sein?

Mittags 12.30 Uhr

Der Jugoslawe aus der Schreibstube behauptet, daß die Eva­kuierung beschlossen worden sei. Daß alle nach Innsbruck gehen, aber daß das Revier mit Kranken und Personal zurückbleibt.

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Und was geschieht dann mit uns? Eine Bombe und... aus?

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