patienten wahrscheinlich genau so sorgfältig und so oft rasiert, wie er es an der Beresina tat, und ein Stück Seife wäre ihm wichtiger gewesen, als eine Extraportion Suppe. Gegen die meisten seiner Schicksalsgenossen wäre er sicherlich miẞtrauisch gewesen und nur mit einigen wenigen Auserwählten umgegangen.
Sein gutes Herz würde er sorgfältig unter einem Mantel von Ironie verborgen gehalten haben, und er hätte nur dann und wann eine halb sarkastische, halb humoristische Bemerkung gemacht. Bei ihm hätte jeder nach seiner Fasson selig werden können, doch sein eigenes Recht würde er sehr energisch und auf eine fast machiavellistische Weise verteidigt haben. Ich werde versuchen, meine eigene Haltung während dieser kritischen Tage an seinem klassischen Vorbild zu schulen.
Abends
Drost heute unerwartet auf Transport gegangen.
Er mußte am Portal warten, bis ein SS- Mann kam, um ihn zu holen, und so konnte ich- ohne aufzufallen- noch eine halbe Stunde bei ihm bleiben.
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Plötzlich war mir, als ob er aufs neue verhaftet sei.. Natürlich weiß ich, daß er nur auf Transport geht, nach Allachkaum ein paar Kilometer von hier entfernt aber trotzdem hatte ich plötzlich wieder dasselbe unsichere Gefühl, das ich immer dann verspürte, wenn sie mich irgendwohin brachten. Der Appellplatz war leer und verlassen und erinnerte an einen stillen Dorfplatz, wenn alle Bauern auf dem Felde arbeiten. Er kam uns jetzt, da einer von uns unerwartet weg mußte so vertraut vor, beinahe, als ob wir hier zu Hause wären und lieber nicht weg wollten.
Denn keiner von uns weiß ja, was mit ihm geschehen wird, wenn er durch das Tor eines Gefängnisses oder Lagers hereingeht und keiner weiß, was ihn erwartet, wenn er in SSBegleitung herausgeht...
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Ich war sehr besorgt und sehr allein, als ich wieder zurück ins Revier ging.
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