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Er redete inzwischen unaufhörlich weiter: über seine Besitzungen in Bayern , wo er ein großes Gut hatte- nicht einmal sehr weit von Dachau entfernt-, über seine Laufbahn als Kavallerieoffizier und über seine große Verehrung für das bayrische Königshaus. Dafür er hatte nämlich geheime Kurierdienste für die Wittelsbacher geleistet- säße er nun hier!- Es war beklagenswert, wie er so vor mir stand- vom Hunger geschwächt und zitternd vor Nervosität, in einer viel zu kurzen, grauen Leinenhose, in einer grünen italienischen Militärjacke, an der ein Ärmel fehlte... ein sehr armer, alter Mann, der zwar aus den Ereignissen der letzten Jahre nichts gelernt hatte doch darum nicht weniger mitleiderregend. Als dann gerufen wurde: ,, Abgänge heraus" und er mit den anderen nach seinem Block mußte, habe ich ihm nochmals versprochen, mit dem Kapo zu sprechen.
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Eine Stunde später
War beim Revierkapo. Er hat den Namen notiert und will R.M. morgen holen lassen.
Wenn ich über meine heutige Begegnung nochmals gut nachdenke, tauchen mir Zweifel auf. Dieser Mann heißt zwar sicher Reck- Malleczewen, aber ist er wirklich mit dem Schriftsteller identisch? Hat er vielleicht nur sofort ,, Ja" gesagt, als ich ihn danach fragte, weil er einen rettenden Strohhalm zu erblicken meinte, an dem er sich festklammern konnte?
Ich verzeihe es ihm gern, wenn er mich betrogen haben sollte. Hoffentlich ist er wenigstens Arzt...
16. April
Gestern abend- noch um acht Uhr wurde ein junger Franzose aus Stube II weggeholt: ,, Zur Vernehmung!" Obwohl Dr. van D. gesagt hatte, daß er nicht ,, vernehmungsfähig" wäre; doch der Befehl kam von der Politischen Abteilung mit der ausdrücklichen Weisung, daß sein Zustand völ
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