Druckschrift 
Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
Seite
253
Einzelbild herunterladen

an den Beinen oder auf dem Rücken, so groß wie Untertas­sen. Zweien fehlte ein Bein, einem ein Arm.

Ein Häftling aus der Schreibstube erzählte, die SS nehme an, daß der Betreffende ermordet worden sei, darum wurden die Photos und darum auch die ausführlichen Aufzeichnungen ge­macht!

Sind denn die anderen dreißig etwa nicht ermordet worden? Sind denn sie etwa eines natürlichen Todes gestorben?

21. März

Nachdem ich nun Tag für Tag mit der Totenliste von Block zu Block gehe- oft sogar zwei- oder dreimal-, steht es bei mir fest, daẞ Hunger eine der Hauptursachen des großen Sterbens ist. Im Block 2, wo die meisten Deutschen liegen: fast keine Toten.

Sie sind alle schon sehr lange im Lager, haben daher mei­stens ,, gute" Kommandos und dadurch auch mehr zu essen. Im Block 14: keine Toten. Dort liegt das Küchenpersonal. Im Block 18: fast keine Toten. Der Block der Tschechen, deren Pakete bis jetzt noch regelmäßig eintreffen.

Im Block 26 dem Geistlichenblock: fast keine Toten; sie haben lange Zeit hindurch sehr viele Pakete bekommen, und die meisten von ihnen bekommen sie noch.

Sonst überall: Tote Tote Tote.

Sie liegen nicht nur in der Straße vor der Totenkammer, son­dern nun auch vor den Quarantänebaracken, nackt im Schnee­oft sogar darunter begraben.

Sie liegen auch in den Waschräumen und im WC.

Abends

Unter den Toten im ,, Bad ", wo die neuen Kranken- Fieber oder kein Fieber, Typhus oder kein Typhus - erst baden müssen, bevor sie in einer Revierbaracke aufgenommen wer­den, waren heute früh drei mit einer Beinprothese.

253