racke 22 zu holen. Er will das Stubenpersonal zeichnen und hofft, dadurch Breikost zu bekommen und vielleicht sogar Sonderdiät.
Das wäre für Chris besonders wichtig, weil er sich als Vegetarier noch immer weigert, die Suppe zu essen und behauptet, daß Fleisch darin sei, obwohl wir noch niemals Fleisch darin entdecken konnten.
Habe ihm nochmals geraten, die Suppe zu essen, da sie doch wenigstens noch etwas Nährwert enthält und er sonst noch schwächer wird- aber er lehnte es aus Prinzip energisch ab.
20. März
Heute früh lag in der Straße vor der Totenkammer eine Leiche - völlig angekleidet.
Sie war mit einem Lastauto gebracht worden, wahrscheinlich von einem Außenkommando. Ein ausländischer Arbeiter oder jemand vom Volkssturm, das konnte ich nicht gut erkennen. Er hatte eine große, klaffende Wunde am Kopf, an dem viel schwärzlichrotes, geronnenes Blut klebte.
Diese Leiche erregte großes Aufsehen- als ob eine Leiche in dieser Umgebung etwas Außergewöhnliches wäre und als ob nicht noch dreißig andere, nackte Leichen daneben lägen. Auf Befehl des Kapos mußte ich als ,, Ordnungsdienst" fungieren.
Erst kam der Chefarzt, dann einige hohe SS - Leute- so eine Art ,, Mordkommission"- die auch photographierten, darauf noch der Rapportführer, und zum Schluß Ruppert selbst! Auch viele Pfleger waren unter den Neugierigen.
Um die anderen dreißig Leichen kümmerte sich niemand. Die SS würdigte sie keines einzigen Blickes, obwohl an ihnen viel mehr zu sehen gewesen wäre...
Sie waren nämlich alle völlig ausgemergelt und zu Skeletten abgemagert. Bei manchen war der Bauch aufgeschwollen und ihre Haut schwärzlich; andere waren voller Geschwüre, wieder andere hatten Phlegmone und offene Stellen und Löcher
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