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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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wußte er, doch er wollte helfen, soviel und solange er konnte. Er war ein wahrer Held! Wie er sich selbst völlig ausschal­tete sich aufopferte sein Leben hingab, um andere zu

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retten.

Und trotzdem ich glaube, wenn wir ganz ehrlich gegen uns selbst sind, unsere Trauer hat noch einen kleinen egoistischen Einschlag: die Angst, ob wir selber wohl am Leben bleiben werden, nun, da der Arzt, der uns gegen den Flecktyphus helfen sollte selber daran gestorben ist; weil wir uns ohne ihn noch bedrohter fühlen.

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Außer Dr. Krediet fielen heute dem Flecktyphus noch weitere hundertachtundachtzig Menschen zum Opfer.

22. Februar

Las wiederum Stendhals ,, Rome Naples et Florence", vor allem die instruktive Einleitung durch v. Oppeln- Bronikowski, worin er ausführlich auf die berüchtigte Plagiatsaffäre eingeht. Während einige Kritikaster noch immer versuchen, Stendhals Genie dadurch zu schmälern, daß sie zum Überdruß an die­ses von ihm selbst zugegebene- Plagiat erinnern, stieß ich auf eine Äußerung Goethes über Stendhal, in der diese Tat­sache ebenfalls zur Sprache kommt. Wie turmhoch überlegen zeigt sich Goethe auch hier wieder. Sein Urteil freut mich ganz besonders, weil ich ihn dadurch noch mehr bewundern kann. Ich fand es in einem Briefe an Zelter, und ich schreibe es rasch ab, weil ich es später vielleicht schwer wieder finden werde: ,, Er( Stendhal) zieht an, stößt ab, interessiert und ärgert, und so kann man ihn nicht loswerden. Man liest das Buch( ,, Rome Naples et Florence") immer wieder mit neuem Vergnügen und möchte es stellenweise auswendig lernen. Er scheint einer von den talentvollen Menschen, die als Offizier, Employé oder Spion, wohl auch alles zugleich, durch den Kriegsbesen hin und her gepeitscht werden.

An vielen Orten ist er gewesen, an anderen weiß er die Tra­dition zu benutzen und sich überhaupt manches Fremde an­

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