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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Suire hat versprochen, mir nach dem Kriege die Publikatio­nen von Père Dillard: so hieß der Jesuit über die ameri­kanische und französische Arbeiterjugend zu verschaffen.

Nach dem Appell

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Als ich nachmittags durch Stube IV im Block 3 ging, be­merkte ich in dem Bett, in dem Gijs gelegen hat, den kleinen, buckligen Rechtsanwalt aus Indochina , der augenscheinlich von Block 9 nach hier verlegt worden ist.

Es würde Gijs sicher gefreut haben, wenn er gewußt hätte, daß nach ihm jemand aus den Kolonien in diesem Bett liegen würde...

Ich habe Karl gebeten, auch dem Rechtsanwalt Breikost zu geben, da er ja hier durch das kalte Klima doppelt leidet. Das schien mir das einzige zu sein, was ich noch für Gijs tun konnte.

14. Januar

Rheinhardt hegt eine besonders große Bewunderung für Ma­ria Theresia . Er las mir einige- in der Tat von einer außer­gewöhnlichen Frau stammende Briefe an ihre Kinder vor, aus denen hervorging, daß es für sie nichts Schlimmeres auf der Welt gegeben hat als die Tatsache, daß ein Teil ihres Vaterlandes den Preußen in die Hände gefallen war. Ein grö­Beres Unglück war für sie nicht denkbar.

Genau wie auch jetzt für uns Österreicher nicht", sagte Rhein­

hardt.

In diesem Moment begann bei dem älteren Franzosen, der im Ne­benbett lag, der Todeskampf. Ein Musiker aus Lyon - Kapell­meister, wenn ich mich nicht irre. Schwere Lungenentzündung. Drost hat für ihn getan, was er nur konnte, doch der Franzose war bereits am Ende seiner Kraft, als er eingeliefert wurde. Heiligabend ist er noch bei uns in Stube I gewesen, um das Quartett zu hören. Am Schluß hat er den Violinisten gebeten,

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