ein Auto mietete und eine Stunde später bei Joseph Knickel vor der Tür stand. Wie seine Haushälterin mir erst nicht öffnen und mich nicht hereinlassen wollte, weil sie den fremden Herrn in einem auswärtigen Auto für einen- Gestapoagenten hielt, da diese ,, Herren" bereits zweimal( glücklicherweise vergeblich) versucht hatten, den Curé in eine Falle zu locken und über die nahegelegene deutsche Grenze zu verschleppen.
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Als ich diesem Manne dann doch endlich gegenübersaß, erfuhr ich, daß er Deutscher von Geburt war, zum Bistum Trier gehört hatte, seine Heimat wegen seiner echt christlichen, Antinazigesinnung und nicht nur Gesinnung, sondern auch Tätigkeit verlassen mußte, nun hier in diesem kleinen, neubelgischen Städtchen saß, kämpferisch wie eh und je, trotz seiner fünfundfünfzig Jahre, gehaßt und verfolgt von allem, was pro Hitler , pro Nazideutschland war, seine Stimme immer wieder warnend, beschwörend und nochmals warnend vor der kriegerischen Barbarei des Dritten Reiches erhebend. Aber auch er war nur ein Prediger in der Wüste... Wie ich ihn dann im Laufe meiner Untersuchungen noch einoder zweimal aufgesucht habe- angezogen von seiner echten, warmen Menschlichkeit, von diesem Leben, in dem Wort und Tat wirklich zu etwas Großem, etwas Ganzem geworden wa
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Und wie wir uns dann hier in Dachau wiedergesehen haben.- Daß wir beide eigentlich nicht sehr verwundert waren, als wir uns hier im Lager trafen, denn er sowohl als ich haben immer genau gewußt, wogegen wir seit zehn und mehr Jahren kämpften, kannten unseren Gegner und seine Methoden nur zu gut, wußten beide, was wir zu erwarten hätten, wenn wir ihm in die Hände fielen...
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Er hat seitdem viel durchgemacht ,,, mein" Curé, bevor er hier landete doch er ist noch ebenso kämpferisch, ebenso ungebrochen und stark im Glauben an das Gute, noch ebenso solidarisch, weise und menschlich... und doch sitzt auch er in dem( mit Recht?, mit Unrecht?) so ,, berüchtigten" Block 26, dem Geistlichenblock.
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