21. November
Auch Seumes Antwort an einige Kritiker, die ihm vorgeworfen hatten, daß sein Werk einen zu politischen Charakter trage, findet sich in Heines Buch. Diese Erklärung war mir immer besonders sympathisch. Sie ist höchst beachtenswert und interessant, beinahe marxistisch: ,, Wenn man mir vorwirft, daß dieses Buch zu politisch sei, so ist meine Antwort, daß ich glaube, jedes gute Buch müsse näher oder entfernter politisch sein. Ein Buch, daß dieses nicht ist, ist sehr überflüssig oder gar schlecht. Politisch ist, was zu dem allgemeinen Wohl etwas beiträgt oder beitragen soll: quod bonum publicum promovet."
Abends
Noch etwas über Seume. Als er seine Meinung nicht mehr frei äußern konnte, half er sich, indem er eine Arbeit begann über schwierige Stellen bei Plutarch . Auf lateinisch. In seinem Vorwort versucht er noch einmal, seine politischen Ansichten zu erklären, doch wiederum war kein Verleger dafür zu finden. Er griff also auf die Klassiker zurück( was jetzt auch wieder von vielen getan wird, nicht nur in Deutschland ) und schrieb: ,, Unter den Toten mit Thukydides , Tacitus und Plutarch bei Marathon und Salamis zu leben, ist schließlich noch die ehrenhafteste Art des Lebens, wenn man der Würde und der Majestät keine Tätigkeit weiter zuwenden darf."
Das sind die Schlußworte seiner Einleitung, die auch heute nur von einem Verleger gedruckt werden würden, der genau weiß, was er tut.
22. November
Eine Jugoslawin, die vorübergehend hier im Revier liegt und die in einigen Tagen wieder zurück nach München zu den anderen Frauen muß, hat mir angeboten, für mich Briefe mitzunehmen. Aber ich vertraue ihr eigentlich nicht recht...
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