Er also wieder in die weite Welt zog zu Fuß und schrieb darüber das bekannteste seiner Bücher: ,, Spaziergang nach Syrakus".
Die rührende Einfachheit, der unstillbare Drang nach Freiheit und seine große Liebe zur Heimat, die mich in seinen Werken stets besonders beeindruckt haben, werden auch von Gerhard Heine stark betont.
20. November
Nachdem ich das Buch über Seume nochmals gelesen habe, steht es für mich fest, daß die Zitate von einem bestimmten politischen Gesichtspunkt aus gewählt wurden, und zwar, um auf diese Art und Weise das Hitler- Regime zu kritisieren.
Gerhard Heine erzählt zum Beispiel, wie Seume auf seiner Wanderung in St. Petersburg landete und dort über die Zustände in seinem Vaterlande nachzudenken begann.
Wieder zurück in Leipzig , wollte ein Verleger ,, vaterländische" Gedichte von ihm haben. Seume lehnte das ab, und Gerhard Heine druckt mit sichtbarem Wohlgefallen dessen Begründung: ,, Für wen soll der deutsche Grenadier sich auf die Batterie und in die Bajonette stürzen? Er bleibt sicher, was er ist und erntet kaum ein freundliches Wort von seinem mürrischen Gewalthaber. Er soll dem Tod unverwandt ins Auge sehen, und zu Hause pflügt sein alter schwacher Vater fronend die Felder des gnädigen Junkers, der nichts tut und nichts zahlt und mit Mißhandlungen vergilt. Der Alte fährt schwitzend die Ernte des Hofes ein und muß die seinige drauBen verfaulen lassen, und dafür hat er die jämmerliche Ehre, der einzige Lastträger des Staates zu sein. Soll der Soldat deshalb mutig fechten, um eben dies Glück einst selbst zu genießen?" Dieses Zitat stammt aus ,, Mein Sommer 1805", einer Arbeit, die zwar vom Autor mit seinem Namen gezeichnet wurde, dessen Verleger es aber vorzog, ungenannt zu bleiben. Also so etwas wie eine halb illegale Ausgabe.
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