22. Oktober
Dr. A. sprach heute für unseren kleinen ,, Klub" über eine katholische Persönlichkeit der deutschen Literatur, über Alban Stolz ; Priester wie Hansjakob. Er scheint in Deutschland sehr bekannt zu sein, aber ich hatte noch nie von ihm gehört, obwohl ich glaubte, das Gebiet der deutschen Literatur einigermaßen gut zu beherrschen. Vielleicht bin ich doch zu einseitig orientiert, obwohl ich mich bemühe, es nicht zu sein? Werden in den mir bekannten Literaturgeschichten derartige Persönlichkeiten nicht erwähnt, weil ihre literarischen Qualitäten dafür nicht ausreichen, oder sind dabei politische Gründe ausschlaggebend?
A. gebrauchte oft die Wendung ,, katholische Literatur". Ich wollte ihm nicht in die Rede fallen, werde aber an einem dieser Tage diese Frage zur Debatte stellen, denn meiner Meinung nach ist nämlich auch die Literatur unteilbar. Dante und Cervantes zum Beispiel sind Weltliteratur keineswegs ,, katholische" Literatur.
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23. Oktober
Eigentlich wollte ich gestern einige Aufzeichnungen über Al ban Stolz notieren, bin aber vom Thema abgekommen. Dann hatten wir wieder einmal Läusekontrolle, so daß ich nicht weiterschreiben konnte.
Die Werke von Alban, Stolz( 1808-1883) kommen mir trotz A.s Ausführungen doch ziemlich trocken und langweilig vor; ich gewann nicht den Eindruck, daß sie mich beim Lesen sehr fesseln würden. Seine Tagebücher ,, Witterungen der Seele" scheinen allerdings der Mühe wert zu sein, und da A. so begeistert darüber sprach, habe ich mir vorgenommen, sie später zu lesen- eigentlich mehr, um ihm einen Gefallen zu tun. Dann vielleicht noch ein Buch, auf das A. mich aufmerksam machte und das ein Holländer, Pater Herschhof aus Nijmegen , über Stolz schrieb. Erschienen beim Wachter- Verlag in Graz .
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