Während der anschließenden Debatte gingen wir noch weiter auf den Kern dieses Problemes ein, und es kam zu einem interessanten und anregenden Gespräch.
4. Oktober
Gestern und heute wieder sehr lange und ausführlich mit W. B. gesprochen. Als Mensch wird er mir stets sympathischer, doch in allen politischen Fragen decken sich unsere Ansichten immer weniger. Ein dauerhaftes Zusammengehen dürfte wohl auch in der Zukunft kaum möglich sein, denn unsere Ausgangspunkte sind so völlig verschieden. Und ich dachte, es müßten doch dieselben sein...
6. Oktober
Die Diskussionen mit W. B. führen zu nichts. Trotz meiner Erfahrungen mit einigen von W. B.s flämischen Freunden, scheine ich das wahre Wesen der sozialdemokratischen Führung noch immer nicht zu verstehen. W. B. lehnt zum Beispiel steif und fest ab, die Theorien von Marx zu akzeptieren, ohne daß er jedoch etwas anderes an deren Stelle zu setzen wüßte. Je mehr wir auf die politischen Probleme eingehen, und bei allen Diskussionen über weltanschauliche Fragen, stellt sich zum Schluß immer deutlicher heraus, daß er eigentlich ein kalvinistisch denkender und fühlender Mensch ist und außerdem ein begeisterter Oranien- Verehrer. Der Grund, warum er für die Königin ist, liegt aber nicht in der Tatsache, daß der größte Teil des holländischen Volkes hinter ihr steht, sondern weil er ein glühender Bewunderer des Hauses Oranien ist. Schade, daß er hierüber soviel zu sagen und zu erzählen weiß und so blutwenig über die Möglichkeiten einer eventuellen späteren Einheitsfront. Doppelt schade, daß er dergleichen eigentlich nebensächliche Probleme, die keineswegs ein Hindernis für ein späteres Zusammengehen bilden müssen, so in den Vordergrund schiebt.
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