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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
Entstehung
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Während der anschließenden Debatte gingen wir noch weiter auf den Kern dieses Problemes ein, und es kam zu einem interessanten und anregenden Gespräch.

4. Oktober

Gestern und heute wieder sehr lange und ausführlich mit W. B. gesprochen. Als Mensch wird er mir stets sympathischer, doch in allen politischen Fragen decken sich unsere Ansichten immer weniger. Ein dauerhaftes Zusammengehen dürfte wohl auch in der Zukunft kaum möglich sein, denn unsere Aus­gangspunkte sind so völlig verschieden. Und ich dachte, es müßten doch dieselben sein...

6. Oktober

Die Diskussionen mit W. B. führen zu nichts. Trotz meiner Er­fahrungen mit einigen von W. B.s flämischen Freunden, scheine ich das wahre Wesen der sozialdemokratischen Füh­rung noch immer nicht zu verstehen. W. B. lehnt zum Beispiel steif und fest ab, die Theorien von Marx zu akzeptieren, ohne daß er jedoch etwas anderes an deren Stelle zu setzen wüßte. Je mehr wir auf die politischen Probleme eingehen, und bei allen Diskussionen über weltanschauliche Fragen, stellt sich zum Schluß immer deutlicher heraus, daß er eigentlich ein kalvini­stisch denkender und fühlender Mensch ist und außerdem ein be­geisterter Oranien- Verehrer. Der Grund, warum er für die Köni­gin ist, liegt aber nicht in der Tatsache, daß der größte Teil des holländischen Volkes hinter ihr steht, sondern weil er ein glühen­der Bewunderer des Hauses Oranien ist. Schade, daß er hierüber soviel zu sagen und zu erzählen weiß und so blutwenig über die Möglichkeiten einer eventuellen späteren Einheitsfront. Doppelt schade, daß er dergleichen eigentlich nebensächliche Probleme, die keineswegs ein Hindernis für ein späteres Zu­sammengehen bilden müssen, so in den Vordergrund schiebt.

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