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Goethe in Dachau : Literatur und Wirklichkeit / Nico Rost ; aus dem Holländischen übersetzt von Edith Rost-Blumberg
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Gegeninjektionen gegeben hätte, oder die vielen anderen, die er trotz schwerer Krankheiten heilte und rettete, weil er ihnen nicht die von der SS befohlene( letzte) ,, Spritze" machte. Darum bringen ihm Tschechen, Jugoslawen, Polen und auch viele Geistliche aus Block 26 alle Medikamente, die sie in ih­ren wenigen Paketen erhalten. Sie wissen, daß er sie aus­schließlich für seine Kranken verwendet, daß er damit nicht schachert, sondern sie denen gibt, die sie am nötigsten brau­chen. Einige deutsche Häftlinge, die täglich in München oder in der Stadt Dachau arbeiten, bringen ihm ebenfalls ab und zu Medikamente mit, die sie dort von der Zivilbevölkerung im Tausch gegen irgend etwas anderes, aber auch häufig um­sonst bekommen, da besonders in Dachau - wohl viele ah­nen, wie wir hier leben müssen, auch wenn sie das Elend nicht in seinem vollen Umfang übersehen können. Während ich diese Zeilen schreibe, liegt in dem Bett mir ge­genüber der alte Richter aus Prag und schläft. Er ist vorige Woche vierundsiebzig Jahre alt geworden, sitzt bereits seit drei Jahren und wäre sicher schon lange tot, wenn ihn Heini nicht hier als ,, Patienten " versteckt hätte, obwohl er eigent­lich nicht krank ist, sondern nur alt. Er ist hier sehr zufrie­den, liest viel, meistens Werke von Ranke und Mommsen, und sorgt dafür, daß die Goldfische regelmäßig frisches Was­ser und Futter bekommen. Hin und wieder erhält er ein Päck­chen und notiert in einem Heftchen, wieviel Stückchen Gebäck und wieviel Pralinen in der Schachtel unter seinem Bett sind. Auch wenn er etwas davon iẞt- was selten genug geschieht, denn er geht äußerst sparsam damit um-, dann wird das nachher sorgfältig in seiner Buchhaltung vermerkt.

28. August

Gestern und heute in der Autobiographie von Benvenuto Cellini geblättert.

Eigentlich habe ich nie viele Abbildungen seiner Werke ge­sehen ich glaube, das meiste blieb Torso-, aber seine Le­

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