nießen. Die Deutschen gehen aber auf den Gedanken los, ohne sich um das Bild viel zu bekümmern. Diese Geistesverfassung gehört der Wissenschaft an, zerstört aber die Kunst."
Sein Urteil über die Verbannung der Madame de Staël könnte auch von einem Holländer stammen, so nüchtern und doch so treffend ist es:
,, Worin bestand denn das Unglück ihrer Verbannung? Daß sie nicht mehr in den Zirkeln von Paris glänzen konnte, an denen sie so läppisch hing? Ihre Klagen sind ein Verbrechen an allen, die damals wirklich Ursache hatten zu klagen." Es tut gut besonders hier im KZ-, diese Worte zu lesen, mit denen die berühmte Verbannung der Madame de Staël , die wirklich keine Tragödie war, ins rechte Licht gerückt wird.
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17. August
Grillparzer könnte mich wahrhaftig noch dazu verführen- Goethe untreu zu werden! Besonders seine Meinung über ,, Die Wahlverwandtschaften " zwingt mich zum Nachdenken. Trotz meiner großen Bewunderung für dieses Buch, kann ich die Richtigkeit seiner Einwände nicht leugnen. Schade, daß ich jetzt nicht mit Telders darüber reden kann, aber ich werde ihm später Grillparzers Urteil zeigen:
,, Was in diesen Wahlverwandtschaften am meisten stört, ist gleich von vornherein die widerliche Wichtigkeit, die den Parkanlagen, kleinlichen Baulichkeiten und dergleichen Zeug, fast parallel mit der Haupthandlung gegeben wird. Es ist, als ob man ein Stück aus Goethes Leben läse, der auch seine unvergleichlichen Gaben dadurch zum Teil paralysiert hat, daß er fast gleichen Anteil an derlei Zeitvertreib, wie an den wichtigsten Angelegenheiten seines eigentlichsten Berufes, nahm. Es soll aber eine Abstufung des Interesses geben, und was man an Nebensachen verschwendet, wird immer der Hauptsache entzogen."
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