B. war am Bahnhof beim Ausladen der Toten und Verwundeten: Juden aus einem Lager bei Warschau , das evakuiert werden mußte.
auf Bah
Durch das Fenster sah ich, wie man mindestens zwanzig Tote- oder fast Tote, das war nicht festzustellen genau ren vorübertrug.
-
Die anderen Baracken werden also wohl auch voll geworden sein.
Abends
Bei uns auf Stube I liegt nun ein jüdischer Knabe aus Lyon . Vierzehn Jahre alt. Unser Pfleger trug ihn auf den Armen herein, als ob er ihn aus einem Brand oder einer Naturkatastrophe gerettet habe.
B. versprach ihm, alles zu tun, um ihn möglichst lange im Revier zu behalten. Ich übersetzte- und sofort schlang er seine beiden mageren Ärmchen um B.s Hals. Seine Füße sind wund, durchgelaufen und geschwollen, das ganze Kerlchen Haut und Knochen, aber er klagt und jammert nicht, sieht uns nur mit seinen großen, dunklen Augen dankbar an- als ob es in unserer Macht läge, ihn zu retten.
Er weiß nicht, was aus seinem Vater, seiner Mutter und aus seinen beiden kleinen Schwestern geworden ist, denn bereits in Lyon wurden sie getrennt und in verschiedene Gefängnisse geworfen.
22. Juni
A. brachte mir gestern die kleine Hegel - Monographie von Lasson. Ich habe darin geblättert, doch kann ich mich nicht genug konzentrieren. Meine Gedanken kehren immer wieder zu den vielen Gesprächen zurück, die ich mit Telders in Vught über Hegel führte.. Wir haben uns oft in den Haaren gelegen und oft meistens sogar zog ich den kürzeren, da er sich bedeutend besser verteidigte. Ich versuchte immer wieder, Hegels idealistische Philosophie anzugreifen, und zwar zugun
2*
24
19


