NECKARELS
Die Häftlinge wohnten in Neckarels und fuhren täglich zur Arbeit nach Neckargerrach. Die Strecke war mit Militärtransporten überladen. Früh um sieben ging es fort zur Arbeit, um elf Uhr nachts kam der Transport ins Lager zurück. Ehe das Nachtessen ausgegeben war, wurde es zwölf Uhr, halb eins, bis man gegessen hatte. Währenddessen war überall verdunkelt; in den Zelten wurde überhaupt kein Licht gemacht. Infolge der Dunkelheit und des Gedränges bekamen viele. gar kein Essen. Um vier Uhr morgens mußte aufgestanden werden. Der Zeuge Lucjan Wilczynski bemühte sich sofort um Versetzung in ein anderes Lager, weil man es unter solchen Bedingungen nicht einmal zwei Wochen aushalten konnte. Dazu kamen die schrecklichen Quälereien der Vorarbeiter.
Die Juden jagte man barfuß und nur im Hemd in tiefem Schnee zur Küche, Proviant zu holen. Besonders viel Mißhandlungen kamen vor, wenn die Leute nackt und barfuß zum Bade mußten. Nach einmaligem Ueberbrausen wurden sie zurückgejagt und bekamen dabei jeder einen Fußtritt in den Rücken.
Als die Amerikaner sich näherten, sollten die Uebriggebliebenen in die Luft gesprengt werden. Da aber dicht neben dem Lager ein deutscher Sanitätszug stand, wurde der Befehl nicht ausgeführt. Andere blieben deshalb am Leben, weil sie im Krankenrevier waren.
Der Pawiak, das alte Gefängnis von Warschau , lag im Ghettogebiet. Ringsherum sah man die Ruinen zerstörter, ausgebrannter Straßenzüge. Das Schlimmste für die Gefangenen waren die Verhöre, die entweder in der Gefängniskapelle oder der Kanzlei stattfanden, oder aber in der Aleja Szucha, der berüchtigten Straße der Polizei". Zum Verhör holte man die Leute zu jeder Tages- und Nachtstunde. Nach dem
8*
119
" I


