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Geopfertes Volk : der Untergang des polnischen Judentums / M. Chersztein ; deutsche Übertragung von Jolanta Münch
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BUCHENWALD

Die Zahl der in Buchenwald Ermordeten wird auf 50 000 geschätzt. Die neu angekommenen Transporte wurden geteilt, gewisse Kontin­gente wurden nach Auschwitz weitertgeschickt, ein Teil wurde sofort für die Gaskammer ausgesucht. Man wählte dafür die Schwächeren, nahm aber auch Gesunde. Planlos rief man diejenigen herbei, die irgendwie ins Auge fielen. In Buchenwald befanden sich etwa 8000 Juden. Von ihnen blieben nur 2000 am Leben, und zwar wurden sie wie durch ein Wunder gerettet, weil die Amerikaner eine Stunde früher, als angenommen wurde, ankamen. Der Befehl war bereits gegeben, alle umzubringen und keinen lebend in die Hände der Alliierten fallen zu lassen.

Die Arbeitergruppen wohnten in gemauerten, die Nichtarbeitenden in Holzbaracken. Ueberwiegend wurden sie bei Aufräumungsarbeiten, oder im Steinbruch eingesetzt. Aus Buchenwald gingen auch Arbeiter­transporte nach verschiedenen Ortschaften.

In Buchenwald gab es auch eine Strafkompanie für diejenigen, die bei den Würdenträgern des Lagers besonders unbeliebt waren.

In dieser Kompanie wurde eine fürchterliche Disziplin aufrecht­erhalten. Der Block durfte nicht in Schuhen betreten werden, man mußte sie vor dem Gebäude ausziehen, ganz gleich, ob Regen oder Schnee fiel. Ohne Bürste mußten Anzug und Schuhe gereinigt werden. Vorher durfte man seinen Platz beim Essenholen nicht einnehmen. Das Essen war wie üblich knapp und vollkommen fettlos.

Um 3 Uhr 15 wurde zum Aufstehen gepfiffen. In Hosen und Schuhen liefen alle auf den Hof. Dort wurde 15 Minuten lang Morgengymnastik getrieben, ganz gleich, ob Regen oder Schnee fiel, oder Frost herrschte. Wenn jemand über seinen schlechten Gesundheitszustand klagte, wurde er vom SS- Mann verprügelt. Dann hieß es Schuhe ausziehen und Frühstück holen, wobei es weitere Mißhandlungen gab. Bei dem ständig herrschenden Hunger war das Frühstück wie ein Tropfen auf einen heißen Stein. Dann hieß es zum Appell antreten und zur Arbeit ab­marschieren.

Die Arbeit war schwer. Mit ungenügenden Werkzeugen mußten Höchstleistungen geschafft werden. Zu Mittag gab es einen Liter Suppe. Beim Marsche mußte gesungen werden.

Im Uebrigen unterschied sich das Leben der Häftlinge in Buchen­wald in nichts von dem in anderen Konzentrationslagern. Es gab die­selben Grausamkeiten, Gemeinheiten und dieselbe Quälerei der Opfer.

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