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Fritz Sattler: Was mich bewegte ... / Fritz Sattler
Entstehung
Seite
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Wir leben konzentriert

Der jungen Bäume blätterlose Kronen

wie Besenreisig ragen stur sie in die Luft;:

jetzt ließ am heimschen Herde gut sichs wohnen: bei Weihnachtsstollen und gebratner Apfel-Duft.

Indessen ist uns leider nicht beschieden

den Fuß zu haben in der heimatlichen Flur, und so erwarten wir denWeihnachtsfrieden in Sachsenhausensreichgesegneter Natur,

erfreuen uns anBesenreisigbäumen,

an Pfützen, die auf dem Appellplatz tückisch stehn, und feiern jede Nacht in unsern Träumen

mit denen, die daheim, ein herzlich Wiedersehn.

Um vier Uhr fünfzehn ist die Nacht beendet,

die grelle Glocke schreckt die ‚müden Krieger auf derteure Strom in Mengen wird verschwendet und es beginnt derKonzentrierte* Tageslauf.

Wir sind noch weit entfernt vom Tagesgrauen und jederLagerhase* hat dieSchnauze voll mit einem Seufzer gehts ans Bettenbauen,

wo eineKiste doch der andern gleichen soll.

Im Waschraum gibts ein mörderisches Prusten,

die kalle Dusche die entblößten Körper mächtig stählt, doch mancher muß gar bös dazwischen husten,

weil ihn'ne ausgewachsene Bronchitis quält.

In Tagesraumes fürchterlicher Enge

sitzt dann dieMeute dichtgedrängt auf jeder Bank es ist ein grausam-schreckliches Gedränge

und manches Mal da gehts nicht ab ganz ohne Zank.

DerTisch vom Dienst, der bracht die Morgensuppe, man füllt die Schüsseln, stellt sie munter auf den Tisch und keiner ziert sich wie'ne Modepuppe

und alle Hände greifen zu den Löffeln frisch.

Die Fütterung ist ziemlich rasch gelungen,

die Schüssel stellt ein jeder sauber in das Spind, zum Rauchen gehn die Alten wie die Jungen

und die Baracke schützt die Raucher vor dem Wind.

Gleich drauf kommt das KommandoAngetreten!* Man hört noch dies und jenes durcheinanderschrein, doch bald verstummet nun jedwedes Reden,

auf dem Appellplatz hat es mäuschenstill zu sein.

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