Wir leben konzentriert
Der jungen Bäume blätterlose Kronen
wie Besenreisig ragen stur sie in die Luft;:
jetzt ließ am heim’schen Herde gut sich’s wohnen: bei Weihnachtsstollen und gebrat’ner Apfel-Duft.
Indessen ist uns leider nicht beschieden
den Fuß zu haben in der heimatlichen Flur, und so erwarten wir den„Weihnachtsfrieden“ in Sachsenhausens„reichgesegneter“ Natur,—
erfreuen uns an„Besenreisigbäumen“,
an Pfützen, die auf dem Appellplatz tückisch stehn, und feiern jede Nacht in unsern Träumen
mit denen, die daheim, ein herzlich Wiedersehn.—
Um vier Uhr fünfzehn ist die Nacht beendet,
die grelle Glocke schreckt die ‚müden Krieger“ auf— der„teure Strom“— in Mengen wird verschwendet und es beginnt der„Konzentrierte* Tageslauf.
Wir sind noch weit entfernt vom Tagesgrauen und jeder„Lagerhase* hat die„Schnauze voll“— mit einem Seufzer geht’s ans Bettenbauen,
wo eine„Kiste“ doch der andern gleichen soll.
Im Waschraum gibts ein mörderisches Prusten,
die kalle Dusche die entblößten Körper mächtig stählt, doch mancher muß gar bös dazwischen husten,
weil ihn'ne ausgewachsene Bronchitis quält.
In Tagesraumes fürchterlicher Enge
sitzt dann die„Meute“ dichtgedrängt auf jeder Bank— es ist ein grausam-schreckliches Gedränge
und manches Mal— da gehts nicht ab ganz ohne Zank.
Der„Tisch vom Dienst“, der bracht die Morgensuppe, man füllt die Schüsseln, stellt sie munter auf den Tisch und keiner ziert sich wie'ne Modepuppe
und alle Hände greifen zu den Löffeln frisch.—
Die Fütterung ist ziemlich rasch gelungen,
die Schüssel stellt ein jeder sauber in das Spind, zum Rauchen gehn die Alten wie die Jungen
und die Baracke schützt die Raucher vor dem Wind.
Gleich drauf kommt das Kommando„Angetreten!*— Man hört noch dies und jenes durcheinanderschrein, doch bald verstummet nun jedwedes Reden,
auf dem Appellplatz hat es mäuschenstill zu sein.
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