Herbstgedanken
So rein und klar ist heut die Luft, so farbenfroh des Herbstes Prangen, wie's einmal war, da voll Verlangen ich spürte Deines Haares Duft.
War damals auch ein Herbstestag, da wir durch Stoppelfelder gingen, da außer Herdenglockenklingen
auf allen Fluren Stille lag.
Zerrissen war mein Herz und wund; im Blut lag noch des Krieges Grauen, doch heilsam war, daß ich durft schauen ins Auge Dir zu dieser Stund'.
Und daß Du, Liebste, endlich mein, war jenes Herbstes schönste Gabe und war bescheiden auch die Habe wir lebten fortan froh zu zwein.
So manchen Herbst, der rein und klar hab' mit der Liebsten ich durchschritten und weiß, was einsam sie gelitten seit uns'rer Trennung Jahr für Jahr.
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Und wenn ich manchen Brief ihr schrieb voll Lebensmut und festem Hoffen und daß uns doch die Zukunft offen so schrieb sie mir:„ Ich hab Dich lieb und komme, was auch kommen mag, nichts kann die Liebe je zerstören, ich lasse nimmer mich betören und werde warten Jahr und Tag!"
Hart ist die Probe, hart fürwahr,
wenn früchteschwer der Herbst im Garten und immer wieder heißt es„ Warten" und immer„ Warten" Jahr für Jahr.
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Und wieder Herbst und noch allein, so wirst Du, Liebste, seufzend sinnen; doch was auch immer Dein Beginnen: ,, Gar bald werd' ich nun bei Dir sein!"
28. 10. 43
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