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Fritz Sattler: Was mich bewegte ... / Fritz Sattler
Entstehung
Seite
8
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Waldweg am Domberg

Ich bin den Waldweg oft gegangen

als Bube an des Vaters Hand;

sei's, daß es war im Lenzesprangen,

sei's, daß der Herbst durchschritt das Land.

Die schlanken Buchenstämme ragen

wie Pfeiler stolz in einem Dom;

lebendig werden alte Sagen

und über Wurzeln huscht ein Gnom.

Verlass'ne Stollen an dem Wege liegen; vor Zeiten grub nach Silber man und Gold, verfallen sind des Bergmann's alte Stiegen, es waren gute Geister ihm nicht hold.

Ich höre meinen Vater noch erzählen

die alte Sage von der Bergmannsbraut:

Wie sie dem roten Hinz sich mußt' vermählen und wie der Tod die Beiden dann getraut.

Ich bin den Waldweg oft gegangen

als schwerstes Leid ich tief im Herzen trug; sei's, daß es war im Lenzesprangen,

sei's, daß der Frost den Berg in Banden schlug.

Und einmal bin den Waldweg ich gegangen

mit meiner Liebsten Hand in Hand;

das war ein seliges Umfangen,

wenn sich ein Mund zum andern fand.

Und oft sind auf dem Weg wir noch geschritten, zwei Mädchenkinder trabten vor uns her; nie ließ ich lange mich um Märchen bitten, denn Waldesmärchen liebten sie gar sehr.

Auf diesem alten Waldweg schreitet

nun meine Sehnsucht durch den Waldesdom; Vergangenheit sich um mich breitet,

stumm hockt am Wegesrand der Gnom.

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