Blick aus dem Giebelstübchen
Ich hatt' daheim ein Giebelstübchen. Zwei Fenster schauen weit ins Land, an denen ich sowohl als Bübchen, wie auch als Jüngling gerne stand.
Man sieht der Kinder bunt Gewühle, die spielend auf der Gasse steh'n, man sieht die alte Sägemühle und höret ihre Säge geh'n.
Man sieht die Nachbarhäuser ragen in einer Reihe, links am Weg; man sieht die Frauen Wäsche tragen zum Spülen nach des Grabens Steg.
Man siehet rechts des Dombergs Höhen, an dessen Hang der Schnellzug braust, der hurtig, wie der Winde Wehen gen Süden hin zum Bahnhof saust.
Man siehet auf des Berges Gipfel massiven Turm, der Aussicht beut. Umrauscht von manchem grünen Wipfel zeigt er die Heimat weit und breit.
Man siehet Dächer auch und Türme, wenn gradeaus das Auge schaut. Und wie wenn er die Heimat schirme am Horizont der Dolmar blaut.
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Ich sah so gern der Heimat Wälder, und seh' noch heut das liebe Bild:
Am Hang die Wiesen, Gärten, Felder und Fichten drüber im Gefild.
So trag die Heimat ich im Herzen
samt allen Lieben, die sie hegt,
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und pfleg' das Bild trotz aller Schmerzen,
wie man sein Allerliebstes pflegt.
Und denk: Ich stände( wie als Bübchen
ich stand so manches liebe Mal).
am Fenster hoch im Giebelstübchen
und schaute in mein Heimattal.
28. 6. 36
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