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Das eiserne Tor : Gedichte / Franz Heitgres
Entstehung
Seite
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> Laut krachend fiel die schwere Tür ins Schloß..- Was ich seit Jahren Tag für Tag befürchtet hatte, wurde bittere Wirklichkeit: Die Gestapo griff zu und setzte meiner Frei­heit ein Ende.

Wie die Häftlinge in den deutschen Gefängnissen, in den Konzentrationslagern und auch in den Räumen der allge­waltigen Geheimen Staatspolizei behandelt wurden- war es übertrieben, was darüber in die Öffentlichkeit drang? Oder war es vielleicht noch schlimmer?

Wohl verfolgte mich unbarmherzig die Sorge um das eigne Schicksal, aber sie blieb immer eng verbunden mit dem Los der Hunderttausende, die den gleichen Weg schon lange vor mir geben mußten. Wollte ich in der Einsamkeit verzweifeln, so fand ich Trost bei dem Gedanken an jene, die mit mir litten und vielleicht noch grausamer gequält wurden als ich. Sah ich keinen Ausweg mehr für mich, so ermutigte mich das tapfere Verhalten eines Kameraden, den schon das Todesurteil getroffen hatte, und der nur auf den Tag der Vollstreckung wartete oder auf ein Wunder< hoffte.

Was ich gedacht und empfunden, Zweifel und Hoffnun­gen, ein unentwirrbarer Knäuel von Gefühlen- man müßte tausend Zungen haben, um alles auszusprechen. In den schlaflos verbrachten Stunden der Nacht, beim unruhvollen Auf- und Abschreiten in der engen Zelle formten sich die Gesichte zu Versen. Das bedrängte Herz mußte sich Luft schaffen, es brauchte die Erleichterung, die darin liegt, das Erlebte zu gestalten. Papier und Bleistift hatte ich nicht. Die Gebilde, die tagsüber oder vor dem Einschlafen ent­standen waren, prägten sich meinem Gedächtnis ein. Aber mit der Anzahl wuchs die Schwierigkeit des Festhaltens. Bis obwohl sich ein Wachtmeister meiner erbarmte und mir

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es gegen seine Dienstvorschrift war- ein Endchen Blei gab, das ich wie eine Reliquie bütete. Ihm verdanke ich, daß ich die meisten meiner Gedichte zu Papier bringen und für mich und meine Freunde retten konnte.

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