SCHICKSAL
Als diese Wände mich zuerst umgaben, Da war das Leben mir nicht lebenswert, An keinem Troste konnte ich mich laben, Hatt’ nirgends eine Hoffnung mehr begehrt. Ich sah so manchen Leidenskameraden, Der hatte unverdrossen weiter Mut. Tat ihm die Kerkerhaft denn keinen Schaden, Bekam ihm dieser Aufenthalt so gut? Ich konnt’ das alles nicht verstehn, Konnt’ keine Zukunft für mich sehn.
Braucht jede Wunde nicht die Zeit zum Heilen? Im Lauf der Wochen war auch ich so weit.
Will mir das Schicksal diese Lehr’ erteilen, Nehm?’ ich mein Los als Selbstverständlichkeit. Wie glücklich ist doch jeder Mensch zu schätzen, Der, geistig arm, sich schnell zufrieden gibt;_ Ihn kann Verlust und Schwermut nicht verletzen, Weil er— so oder so— das Leben liebt.
So sag’ ich mir an jedem Tag: Wer weiß, wofür es gut sein mag.


