EINEM FREUNDE
Novembernebel lagert grau und schwer,
Er will mit mir um trübe Stunden trauern;
Ich seh’ im bleichen Licht der Kerkermauern
Das traute Bild der fernen Welt nicht mehr.
Im Schweigen dieser Einsamkeit entschwand
Schon längst das letzte hoffnungsfrohe Lachen.
Doch plötzlich kommt zu mir ein neu Erwachen:
Ich spür’ das Wirken einer Freundeshand. Ein Freund, der stumm was Liebes für mich tut, Entfacht den Funken einer stillen Glut.—
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Denn hier, umgarnt von Lüge und Verrat,
Wo falsche Freunde ihre Netze weben,
Hast du Vertrauen mir erneut gegeben
Mit deiner freudespendend kühnen Tat.
In deinem zuversichtlich festen Blick
Hab’ ich Gewißheit und Entschluß gefunden,
Und du gabst im Verzagen dieser Stunden
Den Glauben an den Menschen mir zurück. Erst in der Not zeigt sich des Freundes Wert, Und seine Treue ist das beste Schwert!
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