Druckschrift 
Das eiserne Tor : Gedichte / Franz Heitgres
Entstehung
Seite
67
Einzelbild herunterladen

EINEM FREUNDE

Novembernebel lagert grau und schwer,

Er will mit mir um trübe Stunden trauern;

Ich seh im bleichen Licht der Kerkermauern

Das traute Bild der fernen Welt nicht mehr.

Im Schweigen dieser Einsamkeit entschwand

Schon längst das letzte hoffnungsfrohe Lachen.

Doch plötzlich kommt zu mir ein neu Erwachen:

Ich spür das Wirken einer Freundeshand. Ein Freund, der stumm was Liebes für mich tut, Entfacht den Funken einer stillen Glut.

a

Denn hier, umgarnt von Lüge und Verrat,

Wo falsche Freunde ihre Netze weben,

Hast du Vertrauen mir erneut gegeben

Mit deiner freudespendend kühnen Tat.

In deinem zuversichtlich festen Blick

Hab ich Gewißheit und Entschluß gefunden,

Und du gabst im Verzagen dieser Stunden

Den Glauben an den Menschen mir zurück. Erst in der Not zeigt sich des Freundes Wert, Und seine Treue ist das beste Schwert!

67