BOMBEN NACHT JULI 1943
Schaurig tönt es durch die Nacht,
Grauenhaft das Heulen der Sirenen. Gleich hab' ich an euch gedacht. Glänzen doch in euren Augen Tränen. Suchet irgendwo Vertrauen,
Und es möcht' die Not vorübergehen,
Hoffend in die Augen schauen,
Wollen wir doch fest zusammenstehen.
Aber ich bin hier allein
Eingeschlossen in der engen Kammer,
Möchte gerne bei euch sein,
Denn mich packt die Sorge, quält der Jammer.
Knatternd poltert es schon los,
Geisterhände drohen in den Himmel,
Kreuze leuchten riesengroß,
Greifen suchend in das Schlachtgetümmel.
Und es prasselt mit Gewalt
Unsichtbarer Tod aus höchsten Zonen.
Alles bebet, weithin schallt
Dröhnen starker Explosionen.
Bomben wettern durch die Nacht,
Furchterregend die Granaten heulen;
Höllengeister sind erwacht
Und verbreiten ihre Feuersäulen.
Schon dringt heller Flammenschein
Roter Silhouetten durch das Fenster,
Züngelt gierig auf mich ein
Wie der Reigen suchender Gespenster.
Ungezähmtes Geisterheer
Will mit seinem Bild mich zynisch necken,
Und ich finde keine Wehr,
Bin gefangen hier auf diesem Flecken.
60


