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Das eiserne Tor : Gedichte / Franz Heitgres
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ERNSTE WEISEN

Wer kennt die unbarmherzig kalte Stille, Die diese dunkle Einsamkeit erfüllt? Daraus erwacht kein lebensstarker Wille, Weil dieses Schweigen mir die Welt verhüllt. Wann wird ein starkes Sehnen mich beleben, Das trotzig sich dem Zwang entgegenstellt, Und wird mir Mut und auch Vertrauen geben, Daß sich das Bild der Zukunft neu erhellt?-

Ich muß mich hier in banger Demut beugen, Der steten Ruhe und dem tiefen Schweigen.

Wie konnte einst Musik mich doch erfreuen, Wie labte mich der herrliche Gesang?! Der Noten Harmonie konnt' Mut verleihen, Und Zuversicht erzeugte mancher Klang.- Doch würde hinter jener dunklen Mauer Erschallen jetzt ein heiter- lustig Lied, Mich packte wohl ein jäher, wilder Schauer, Weil es Erinnrung qualvoll nach sich zieht.

Der frohe, muntere Sang würd' mich erschüttern,

Denn hier kann diese Tonart nur verbittern.

Vernehm' ich aber andere Melodien,

Wohl einer klagenden Sonate Ton,

Und gar das Rauschen großer Symphonien, Das alles brächte neue Hoffnung schon. Die Stimmen unserer Meister möcht' ich hören, Sie wissen auch um meinen tiefen Schmerz; Mit ihren Sätzen will ich mich empören, Vom harten Unrecht lyrisch klagt ein Herz.

Wenn edle, ernste Werke widerklingen, Spür' ich des Schicksals hartes, bitteres Ringen.

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