an werde es weder Zeitungen noch Weißbrot geben. Frau Levrat erkundigte sich bei uns nach dem Leben in Paris und vor allem nach den Cafés des Montparnasse . Sie wollte nicht glauben, daß die ,, Rotonde" verlassen sei. Doch hellte sich ihr Gesicht auf, als wir davon sprachen, wie im ,, Café du Dome" neben vielen fremden Eindringlingen ein paar Unentwegte sich behaupteten, der schöne Kopf Max Ernsts dort noch auftauche, Tihany und andere zu treffen seien, und wie die ,, Closerie des Lilas" noch manches vom alten Glanze bewahrt habe.

Auch Fräulein Hamonou mischte sich in unser Gespräch ein. Sie bestätigte meine Vermutung, daß sie einen Tag mit vielen schwarzen Gedanken gehabt habe. Ihre Stimme nahm einen leidenden Klang dabei an. Sie liebte es, Sentenzen aus ihrer Zeitschrift ,, La Croix" zum besten zu geben. Heute brachte sie das Gespräch auf die Heilquellen von Lourdes und auf das Wunder der Bernadette.

Was wir davon hielten, fragte sie schüchtern. Wollte sie Proselyten machen oder fraẞ schon der Zweifel an ihrer Gläu­bigkeit?

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, Was ich davon halte? Gut, ich will es ihnen sagen", meinte Frau Levrat und lächelte. ,, Aber zuerst müssen Sie mir ver­sprechen, daß Sie morgen nicht wieder schwarze Gedanken haben."

,, Sie glauben also nicht, daß der Bernadette die Heilige Jungfrau in den Grotten bei Lourdes erschienen ist?"

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,, Es tut mir aufrichtig leid", antwortete Frau Levrat. ,, Es war keine Erscheinung. Die Jungfrau, welche Bernadette in der Grotte entdeckte, war weder heilig noch und zwar ge­rade in diesem Augenblick eine Jungfrau. Es war..." Wie purpurn färbte sich Fräulein Hamonous Gesicht. Herr Guillo schmunzelte: ,, Ça alors!" Seine Frau aber blickte un­sicher drein.

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Wir lenkten rasch das Gespräch auf harmlosere Dinge.