ten rascher gefüllt würden und die Zeilen liefen nicht mehr gerade, sondern schräg über das gelbe Papier. Fast vergaß ich das Rauchen über der Arbeit. Ich suchte nach einer Prä­position, die sich nicht finden lassen wollte, ärgerte mich über allzu sehr eilendin ein paar leere Ausdrücke, die mir

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die Feder gekommen waren, und die ich nun ausstreichen und korrigieren mußte, und bei all dem fühlte ich mich bedrückt von der Frage, ob es mir gelingen werde, nicht nur zu sagen, was zu sagen war, sondern es zu gestalten, daß es warm sei wie dieser Herbsttag und bitter drohend wie die Wirklichkeit in Deutschland . Die Seiten schienen heimlich nachzuwachsen, ich kam nicht weiter.

Ich litt unter der Eifersucht, die der Hauptmann noch gar nicht fühlen konnte, denn er hatte bisher nicht erfahren, daß er hintergangen worden war. Dabei bemerkte ich, daß sich eine neue Figur in den Roman eingeschlichen hatte, ein ,, Ille­galer", ein Kämpfer gegen Hitler , gegen die Aufrüstung, gegen den Krieg. Er war ein rothaariger, breitschultriger Bursche. Wenn er nur wird lachen können, dachte ich, denn es war vorauszusehen, daß er es schwer haben werde. Auch an die Zeitungsmeldungen vom Morgen erinnerte ich mich: Du mußẞt dich beeilen, daß du auch fertig bist, bevor Hitler den Krieg beginnt. Sonst hat es keinen Zweck.

So standen die Dinge, als ich endlich die Aufgabe für diesen Tag erledigt hatte. Ich eilte an den Strand. Unterwegs begeg­nete mir Fräulein Hamonou. Sie hatte ein graues Wollcape umgehängt und ihr bäuerliches Gesicht war finster. Es schien, als werde sie wieder von ihren ,, schwarzen Gedanken" ge­plagt, über die sie an manchen Tagen klagte. Sie war Leh­rerin in einem Kloster. Sie war der einzige gläubige Gast in der ,, Heiligen Therese", allerdings auch der einzige unfrohe und ungesellige Gast. Alles Schwere ihrer bretonischen Hei­mat hatte sie mit in den Süden heruntergetragen. Ihre Spa­

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