Wenn man es zur Seite dreht, sagte Ellen und nahm das Holz wieder auf,dann sieht es wie ein Adler aus.

Ich konnte den Adler nicht erkennen und meinte:Gewiß, eine phantastische Form.

Schön?

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Und dann fühlt es sich sehr gut an. Ellen gab mir das Holz. Prüfend strich ich erst mit den Fingerspitzen darüber. Aber das war nicht richtig. Man durfte nicht so fremd blei- ben, sondern mußte es bereitwillig und verlangend umfassen in vertraulicher Gebärde. Nun empfand ich erst den Reiz, den die tote Wurzel dem Tastgefühl vermittelte. Sie war stein- hart und zugleich von hölzerner Wärme, glatt und fest, doch auch rauh auf der Oberfläche.

Nun? fragte Ellen und setzte betrübt hinzu:Ach, ich weiß nicht, du freust dich gar nicht darüber.

Doch, Liebes, es fühlt sich sehr gut an.

Ich legte das Holz wieder auf die Stuhllehne. Ein winziger Seestern, fünfzackig und blaß, war daran haftengeblieben.

Sieh einmal hier, sagte Ellen und leerte ihre Taschen aus,dies ist die größte Muschel, die ich bisher gefunden habe.

Sie ist angeschlagen, wandte ich ein.

Natürlich, bei der heftigen Brandung hier.

Es hat keinen Zweck, sie aufzuheben.

Doch, erklärte Ellen,solange ich keine bessere finde, doch.

Aber du hast schon so viele Muscheln!

Nur die schönsten habe ich behalten. Schau dir das an!

Sie hielt mir eine mittelgroße Muschel entgegen, die gleich- mäßig gerillt war. Die wechselnde, schwarze und rotbraune Zeichnung verlieh ihr Ähnlichkeit mit einer antiken Vasen- scherbe.

12 Kunigunde IT.