Disteln und rauhen Gräsern riß der Wind. Vom Strande dröhnten die Wellen.
Gut also, nun hieß es anfangen! Und wo war ich gestern stehengeblieben? Der Hauptmann Jost war nach einer Notlandung auf einer Insel in der Ostsee über Nacht geblieben. Das wußten aber weder sein Adjutant, der junge Ehrgeizling Bertram, noch des Hauptmanns Frau. Wie hieß sie nur? Da befand ich mich schon auf der dreißigsten Seite meines Manųskriptes und hatte mich noch immer nicht entschieden. Sie war ein so blasser Mensch, unentschlossen und schwankend in allem, was sie tat. Anneliese, Marianne? Nun, wie immer, sie und Bertram warteten auf des Hauptmanns Rückkehr. Sie waren besorgt über sein Ausbleiben. Sie fühlten sich schuldig, sie bereuten, daß sie ihn hintergangen hatten.
Ihr Schicksal war eingespannt in einen weiten und dunklen Rahmen. Warnen wollte ich mit dem Buche, warnen vor dem Krieg, dem Überfall, zu dem man sich in Deutschland rüstete. Im Fliegerhorst gab der Oberleutnant Harteneck den Offiziersanwärtern Unterricht. An Themen, über die er hätte sprechen können, war kein Mangel. Sollte ich ihn etwa vom bösen Geist der Meuterei reden lassen, dessen Tradition in der preußischen Armee bis auf den Tag ihrer Gründung zurückgeht? Denn von den neun Kompanien zu Fuß, die Kurfürst Georg Wilhelm am ersten Mai 1626 in Frankfurt an der Oder musterte, verweigerte der größte Teil schon beim ersten Einsatz den Gehorsam. Als der Oberst Hillebrand von Kracht sie bei Morungen war es gegen Gustav Adolf führen wollte, erklärten sie ,, nicht zu fechten gegen die, die gleichen Glaubens sind". Aber natürlich konnte der Oberleutnant Harteneck darüber nicht reden. In den Anweisungen für den Offiziersunterricht steht ausdrücklich, daß Beispiele zum Thema der Zersetzung und der Meuterei nur aus der Geschichte fremder Heere entnommen werden dürfen.
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