vor dem, was sie aus dir gemacht haben. Als ob einem nichts Schlimmeres passieren könnte. Ich habe einen gekannt
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Er unterbrach sich und zuckte mit den Schultern. Dann fuhr er fort: ,, So war das also. Struwe, habe ich mir gesagt, ein besseres Plätzchen gibt's überhaupt nicht für dich."
Er drückte die breiten Hände auf die Schenkel und richtete sich auf. ,, Bin ich dir vielleicht im Wege?" fragte er jetzt und musterte Hermann.
,, Nein", sagte Stedig langsam ,,, im Wege bist du mir nicht." Struwe nahm keinen Anstoß an seinem unfreundlichen Ton. Die Hände in den Taschen ging er zufrieden in der Küche hin und her. ,, Erinnerst du dich noch, wie wir früher zusammengehaust haben?" fragte er.„ Jedesmal, wenn du kochen mußtest, gab es Eierkuchen mit Speck. Das war deine Spezialität."
Ich hätte ihn gar nicht erst hereinlassen sollen, dachte Stedig, den der Anblick des kräftigen und lebenssicheren Freundes ärgerte. Außerdem fühlte er, daß es mit dem Dahindämmern in empfindungsloser Stumpfheit vorbei sei. Hatte der gleichmütige Struwe nicht durch sein Kommen allein schon all die alten Wunden wieder zum Bluten gebracht?
,, Also meine Frau arbeitet noch bei euch?" fragte Hermann Stedig und fühlte wie seine Kehle trocken wurde. Er hätte gern noch etwas von Maria gehört. Aber Struwe nickte nur kurz mit dem runden Kopf und fragte: ,, Und du, was treibst du denn so?"
,, Nichts! Von meiner Rente lebe ich!" stieß Stedig höhnisch hervor und schrie dann: ,, Was denkst du dir denn? Was soll ich denn tun?"
Struwe schwieg. Aus dem Wasserhahn fielen vereinzelte Tropfen langsam und regelmäßig in das Aufwaschbecken. Für kurze Zeit war nur dieses Tropfen zu hören, laut und aufdringlich.
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