Stedig sagte heiser: ,, Nichts, Johanna, ich hab dir nichts mitgebracht."
,, Oh", sagte Johanna enttäuscht.
Stedig entschuldigte sich: ,, Du mußt verstehen. Ich war weit weg. Und es gab dort einfach nichts, nichts für Kinder. Das nächste Mal-"
,, Fahr nicht wieder fort", bat Johanna und küẞte seine Hand.
Verwirrt machte er sich frei und schaltete das Licht ein. Johanna hatte das Gesicht erhoben, die blonden Strähnen fielen zurück. Als sie den Vater sah, wich der Glanz aus ihren weichen Augen. Ihr Blick wurde schreckensstarr. Aus dem zu spielender Liebkosung halbgeöffneten Lippen gellte ein Schrei.
Dieser Schrei und der entsetzte Ausdruck des Kindes lähmten Hermann Stedig. Hilflos umklammerten seine Finger den Türpfosten, an den er sich lehnte.
Dunkel, daß es doch dunkel würde, dachte er, aber er vermochte nicht, die Hand zu heben und den Lichtschalter niederzudrücken. Er konnte sich nicht rühren. Eine eisige Welle war über ihn gefahren und hatte ihn reglos gemacht. Wie eine Gnade war, daß wenigstens die Augenlider noch seinem Willen folgten und sich über der feuchten Netzhaut schlossen, Dunkel, dachte er zufrieden, Nacht, Schlaf, Tod.
Johanna aber schrie und schrie. Sie konnte ihren Blick nicht abwenden vom entstellten Gesicht des Mannes vor ihr, der die Stimme des Vaters hatte und seine Gestalt, aber nicht der Vater war. Schreiend wich sie, Schritt um Schritt, bis an die Wand zurück. Dort endlich schlug sie die Hände vors Gesicht. Für kurze Zeit unterbrach sie sich, schluckte die salzigen Tränen und schöpfte Atem. Dann schrie sie von neuem in schrillen Tönen der Qual.
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So standen sich Vater und Tochter gegenüber, als Maria


