könne. Seit er den Unfall erlitten hatte, arbeitete sie in der Fabrik.

Mit Mühe fischte er den Schlüssel aus der Manteltasche und öffnete die Tür, beschämt darüber, wie unbeholfen er mit der linken Hand war. Im Vorplatz zog er den Mantel aus. Er wollte ihn auf den Haken hängen, doch entglitt ihm das schwere Kleidungsstück und fiel zu Boden.

Da vernahm er aus der Küche die Stimme Johannas, seiner Tochter. Sie mußte sein Läuten überhört haben und sprach sinnlose Worte im Singsang vor sich hin. Mit einem weiten, freudigen Schritt trat er über den Mantel hinweg und rief den Namen des Kindes. Johanna antwortete von drinnen mit einem hellen Willkommgruß, der Hermanns Herz jubelnd be­wegte. Rasch stieß er die Tür zur Küche auf, die schon im Dunkel lag.

,, O Väterchen, Väterchen! Du bist zurück!" rief Johanna und umschlang mit ihren dünnen Armen seine Knie und preẞte ihr Gesicht an ihn.

Hermann Stedig meinte andächtig zu sich selbst: Daß mir das geblieben ist! Mein Gott, so hat das Leben doch noch einen Sinn. Und während das Blut mit starkem Pulse kräfti­gend durch seine Adern strömte, streichelte seine Linke die warmen, weichen Wangen des Mädchens.

,, Du warst so lange fort", sagte Johanna ,,, war es eine weite Reise?"

,, Ja, eine weite Reise", flüsterte Stedig. ,, Aber jetzt bin ich zurück."

,, Jetzt bist du zurück", wiederholte Johanna. Sie griff nach seiner Hand und zerrte daran. ,, Was hast du mir mitge­bracht?" rief sie.

Warum habe ich nur daran nicht gedacht, schalt sich Her­mann und war traurig.

,, Sag, was?" bettelte das Mädchen.

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