DER SPIEGEL

Hermann Stedig kehrte nach drei langen Monaten, die er im Krankenhaus verbracht hatte, in seine Wohnung zurück. Er fühlte sich geschlagen und müde und seiner Zeit nicht mehr gewachsen, in welche der so leichtfertig entfesselte Krieg über die Grenzen zurückschlug und die Panzerhiebe der Flug­zeuge Stadt um Stadt zertrümmerten. Bei einem Brand, der nach einem solchen Angriff aus wolkenbedecktem Nachthim­mel in der Fabrik ausgebrochen war, war Hermann Stedig zu Schaden gekommen.

Nun stand er vor der Tür, aus der er drei Monate zuvor gesund und eitel auf sich und seine Fertigkeiten getreten war, stand zögernd, mit klopfendem Herzen, den rechten Arm­stumpf unter dem Mantel an die Seite gedrückt und den dunklen Hut tief in das von den Flammen gebrannte Gesicht gezogen. Ein Geschlagener, ein vom Schicksal Gezeichneter, er, der immer gedacht hatte, daß das Schicksal ihn, gerade ihn vor allen begünstige.

Er ärgerte sich, daß ihm auf sein Läuten nicht aufgetan wurde. Sie wissen doch, daß ich komme, dachte er gallig. Dann erst fiel ihm ein, daß Maria noch gar nicht zu Haus sein

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