mit müden, hängenden Schultern von der Arbeit heimkehrte.
,, Guten Abend", sagte sie gleichmütig zu Stedig, als sei nichts gewesen. Sie nahm Johanna bei der Hand und brachte sie zu Bett.
Als sie nach langer Zeit zurückkehrte, saẞ Hermann auf dem Küchenstuhl und beobachtete sie lauernd mit gesenktem Kopf. Ihre Beherrschtheit schien ihm noch schwerer zu ertragen als Johannas lautgewordenes Entsetzen.
Das dachte er wenigstens an diesem ersten Abend seiner Heimkehr. In den folgenden Tagen, die er mit Johanna allein im Haus blieb, lernte er es anders. Er war froh, als Maria endlich eines Abends sagte: ,, Johanna sieht schlecht aus, ich werde sie zu den Großeltern schicken."
Erleichterten Herzens nickte Hermann aus der dunklen Küchenecke, die er sich zu seinem Stammplatz gewählt hatte.
Fast unbeweglich verbrachte er dort die Zeit und grübelte über sein Schicksal nach, bis sein Herz von Bitternis ganz durchtränkt war. Um nichts kümmerte er sich, nichts hatte Bedeutung für ihn, nichts rührte ihn an. Wie in einem Nebel lebte er in ständiger Klage um sich selbst und jeden Tag spürte er von neuem, wie furchtbar geschlagen er war.
Meist stand er erst spät auf und frühstückte, was die Frau auf dem Küchentisch hatte stehenlassen. Mit dieser einen Mahlzeit hielt er durch bis zum Abend, obwohl Maria jeden Morgen auf dem Ofen Sachen bereitstellte, eine Suppe, Fleisch mit Kraut oder Gemüse, die er sich nur hätte aufwärmen brauchen.
Sie war besorgt und aufmerksam. Sie war tapfer und entschlossen zu retten, was von ihrem zerstörten gemeinsamen Leben geblieben war. Hermann half ihr gewiß nicht dabei. Und oft wunderte sie sich, woher ihr die Kraft kam, mit der sie nicht nur seinen Anblick, sondern auch seine
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