ein Unglück geschehen." Mit dünnen Beinen stieg sie aus
dem Bett. Ihr Nachthemd stand weit um ihren hageren Körper. Sie strich sich die Haare aus dem Gesicht.
,, Ist es schlimm?" fragte sie. Gotthelf berichtete, wie er Friedrich getroffen hatte.
Da richtete sich Hanna in ihrem engen Bett auf und rieb sich die Augen.
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, Tut es ihm weh?" wollte sie wissen.
,, Das glaub ich", sagte Gotthelf.
,, Siehst du", rief Hanna ,,, er war böse zu mir. Ich habe es ihm gewünscht."
Woher hat sie nur diese Schlechtigkeit, dachte Gotthelf und schickte sie fort, Friedrichs Frau zu holen. Hanna begriff, daß dies eine Strafe sein sollte. Sie zog sich wortlos an und ging trotzig aus dem Haus, obwohl ihre Angst groß war. Sie hielt sich in der Straßenmitte und rannte ins Oberdorf hinaus, wie gejagt vom Schall der eigenen Schritte.
In der Schlafkammer beim Friedrich war noch Licht. Hanna klopfte erst an die Tür, aber die war verschlossen. Sie lief um die Scheune und kroch durch ein Loch im Zaun in den Hof. Auf Zehenspitzen trat sie in den Flur und öffnete zögernd die Tür zur Schlafkammer. Die Frau war im Bett und wiegte das Kind.
,, Schickt dich der Friedrich?" fragte sie ruhig.
,, Nein, der Vater", antwortete Hanna.
Die Frau legte das Kind in die Kissen zurück. Es fing gleich an zu schreien. Sie sprang aus dem Bett und packte Hanna bei der Schulter.
,, Komm schnell", sagte das Mädchen und hatte Mitleid. ,, Dem Friedrich ist was geschehen." Die Frau zog sich an. Hanna weinte jetzt, aber die Frau schalt, sie solle lieber das Kind aufnehmen, das immer noch schrie.
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Zusammen liefen sie zum Gotthelf, der den müden Ochsen


