Als er gegangen war, meinte Friedrich: ,, Am besten nimmst du den alten Holzweg. Und dann die zweite Schneise den Berg hinauf."

,, Ich bin müde", antwortete Gotthelf.

Die Frau sagte: ,, Das Holz wär nicht schlecht."

Friedrich machte einen Umweg. Er ging ohne sich zu be­eilen durchs untere Dorf und kehrte dort in der Wirtschaft ein. Er trank ein Glas bitteren Rauchbiers und erzählte bei­läufig, er gehe ins Tal hinunter, den Schwager zu besuchen. Hinter dem Dorf kehrte er um und ging zurück an dem Acker vorbei, an dem die neuen Herren ihre Kunst ausprobiert hatten. Sie hatten mit großer Mühe alle Steine auflesen lassen. Doch der Acker hatte solche Sorgfalt nicht gelohnt. Da die Feuchtigkeit unter den Steinen nicht mehr Schutz gefunden hatte, war der Boden im Sommer staubtrocken geworden. Das Korn war gelb geworden vor der Zeit und hatte keine Frucht getragen.

Friedrich ging die Schneise bis zur halben Höhe hinauf. Dort wußte er eine trockene Fichte im Gehölz.

Als er sie gefunden hatte, setzte er sich auf den Boden und lauschte. Die Stille war tief. ,, Sebastian", sprach Friedrich leise vor sich hin, und er dachte an den schreienden Säugling im Korb und an das rotbäckige Kind auf dem Kalenderblatt. Er sagte sich, daß die Leute im Forsthaus um diese Zeit wohl noch beim Essen säßen, später mochte es eher möglich sein, daß sich der Förster im Wald herumtrieb. Friedrich zog die Jacke aus und schwang die Axt.

Der erste Schlag dröhnte laut wie ein Schuß. Erschrocken hielt Friedrich inne und horchte. Dann schlug er von neuem zu. Das Eisen fuhr in den Stamm. Wie Schaumflocken spran­gen die weißen Holzsplitter in die Dunkelheit.

Nach jedem fünften Schlag machte Friedrich eine Pause und horchte, die Axt in den heißen Händen. Aber vom Lärm

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