Im Hof schirrte der Vater den Ochsen aus und Hanna führte das Tier in den Stall, wo das Futter schon eingeschüttet war. ,, Hat der Friedrich dich geschlagen?" fragte der Vater, während er das Geschirr auf den hölzernen Haken hing.
,, Er war böse zu mir", sagte Hanna.
,, Hat er dich geschlagen?"
Hanna preẞte sich an den Vater und weinte in seinen Rock. Gotthelf strich ihr über das strohige Haar. Sie traten zusammen durch die Tür in die Wohnstube. Die Suppe stand dampfend auf dem Tisch, das Brot lag da und Martins Brief. ,, Er will, daß du mit ihm ins Holz gehst", sagte die Frau und wies auf Friedrich.
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, Wenn du um halb elf aufbrichst", meinte Friedrich und richtete sich auf, die Axt in den Händen, ,, kommst du gut zurecht. Bring den Ochsen mit, ohne den Wagen. Wir können das Holz schleifen."
,, Auf den Kuhberg gehst du also", stellte Gotthelf fest. Da klopfte es an den Fensterladen und die Haustür ging. Der Sohn des Gastwirts trat ein, er trug jetzt eine Uniform. Die Frau stand auf vor dem jungen Burschen, der eine flache Tüte auf den Tisch warf.
,, Das schickt der Vater", sagte er. ,, Es ist gegen die Ratten. Ihr müßt es auslegen."
Auf der Tüte, die nun neben dem Brot lag, war ein Totenkopf abgebildet.
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, Gift schicken sie uns", sagte Gotthelf.
,, Ja, man muß damit achtgeben." Der Zigeuner sprach sehr bestimmt. ,, Es ist ein starkes Gift. Aber man muß mit den Ratten ein Ende machen. Jeder muß gegen die Ratten kämpfen."
Gotthelf schwieg und auch Friedrich sagte nichts, aber die Frau dankte mit vielen Worten.
,, Da ist nichts zu danken", sagte der Zigeuner.
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