Er half dem Förster und war eine Art Aufseher im Steinbruch, und auch im Dorfe spielte er sich immer als etwas Besseres auf. ,, Er ist gezeichnet", hatte Hannas Bruder Martin einmal gesagt und von einem Mal gesprochen, wie eine Faust so groß, das der Zigeuner auf der Hüfte trage. Hanna überlegte, wie ein solches Mal wohl aussehe, und sie faßte nach des Vaters knochiger, kühler Hand. Gotthelf drückte zufrieden ihre kleinen Finger.
Jetzt wurden sie von den Arbeitern eingeholt. ,, So spät noch?" fragten die statt eines Grußes, und ihre Stimmen waren rauh von dem vielen Schnaps, mit dem sie den Splitt, den körnigen Staub der Steine aus der Kehle spülten.
Sie zogen vorbei: nur der Zigeuner verlangsamte den Schritt und fragte, ob der Martin geschrieben habe, und er schob sich zwischen den Vater und Hanna, der nun das Herz klopfte.
"
, Was soll er schon schreiben?" sagte Gotthelf. Er sprach nicht gern von Martin. Seit der Sohn bei den Soldaten war, ging es nicht mehr gut. Martin hatte im Steinbruch gearbeitet und seinen Lohn nach Haus gebracht. Jetzt fehlte das, und Gotthelf gab es nicht gern zu.
,, Doch, es ist ein Brief zu Hause", sagte Hanna und setzte wichtig hinzu: ,, Der Friedrich wartet auf dich, Vater."
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, Was du nicht alles weißt!" sagte der Zigeuner und faẞte Hanna am Kinn.
Gotthelf meinte: ,, Dann hat der Martin doch geschrieben." ,, Einen Orden hat er bekommen", sagte Hanna.
Der Zigeuner lachte sie aus und der Vater schalt: ,, Wie du nur so lügen kannst!"
Das Mädchen schluckte und sagte rasch: ,, Der Friedrich hat mich geschlagen."
"
Was hast du denn für Geschäfte mit dem Friedrich?" wollte der Zigeuner vom Gotthelf wissen.
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