Der Wind trieb ihren Ruf ins Tal. Der Alte zerrte am Strick und brachte den Ochsen zum Stehen, der aus feuchtem Maule schnaubte. Gotthelf sah in der Dämmerung, wie die Tochter ihm zuwinkte. Ringsum die Felder waren leer. Immer war er der letzte. Die anderen hätten es genau so nötig wie ich, dachte er. Dann trieb er den Ochsen herum und wandte den schmalen Pflug. Er spie das Holzstück aus, auf dem er gekaut hatte, weil er keinen Tabak besaß. Auf dem Rücken fühlte er kalten Schweiß. Seine Muskeln und Sehnen waren hart wie Holz. Ein Wunder, daß er sich überhaupt noch regen konnte! Schwerfällig beugte er sich nieder und pflügte bergan. Die Erde war trocken, der sandige Boden knirschte und klirrend schlugen die Steine gegen die Pflugschar.

Das Mädchen oben wartete, fror und fürchtete sich vor der Dunkelheit, die schneller als der Vater aus dem Tal herauf­stieg. Hanna hatte das wollene Schultertuch um Arme und Hände gewunden.

Als der Alte die Furche zu Ende gepflügt hatte, hob er den Pflug aus dem Acker und warf ihn rücklings auf die Straße. Der Ochse trottete davon, die Handgriffe des Pfluges scheu­erten auf der harten Erde. Gotthelf folgte lautlos auf seilenen Sohlen. Vor Jahren hatte er in der Stadt gelernt, sie zu knüp­fen. Viele im Dorf trugen solche Sohlen, denn sie sogen den und Schweiß auf im Sommer und waren warm im Winter, wer hätte in den Jahren nach dem Kriege nicht einmal wegen Wildfrevels oder Holzdiebstahls im Gefängnis gesessen?

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Gotthelf schritt hinter dem Ochsen einher und Hanna folgte dem Vater, den Blick auf seinen krummen Rücken gerichtet. Als sie die Schritte der Arbeiter hörte, die aus dem Stein­bruch kamen, lief sie rasch an die Seite des Vaters. Hanna war erst dreizehn Jahre alt, aber sie hatte schon Angst vor den Burschen, vor allem vor dem Sohn des Gastwirts, dem Zigeuner, wie ihn alle nannten, weil er so dunkelhäutig war.

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