,, Jetzt gibt es nichts!" antwortete die Frau und hob abwehrend den feuchten, nackten Arm vor die Brust. ,, Es schreit, weil's ein Heide ist, getauft möcht's werden."
,, Laß es halt taufen, wenn's dir so eilt!" sagte der Bauer. Er sah mißtrauisch in den Korb. Nicht sehr gesund schien das Kind zu sein.
,, Du hast ja kein Geld", schalt die Frau, ,, nicht einmal die Steuern sind bezahlt. Sie werden uns noch pfänden."
Sie ging wieder zum Herd und nahm den Topf mit Kartoffeln vom Feuer, goß das Wasser ab und schüttete die Kartoffeln in den Napf für die Schweine.
,, Ist Milch für die Ferkel da?" fragte der Bauer.
Die Frau schüttelte den Kopf. ,, Aus ihnen wird auch nichts", sagte sie. ,, Eins haben die Ratten heute totgebissen. Und die Sau hat selber keine Milch."
Sie stampfte die Kartoffeln klein. Aus dem Napf stieg ein starker Geruch von Dampf und Erde auf. Sie sah zu dem Mann hinüber, der immer noch neben dem Korb des Säuglings stand.
Er fühlte ihren Blick. Tue ich denn nicht, was ich kann? dachte er; aber das kleine Elend schrie.
Er liebte das Kind nicht und nicht die Frau. Dabei waren sie erst elf Monate verheiratet. Immerhin: Frau und Kind gehörten zum Hof, und wer zum Hof gehörte, dem sollte es nicht schlecht gehen, ob es nun die Frau war, das Kind oder die Ferkel.
Tue ich denn nicht, was ich kann? fragte sich der Bauer noch einmal.
,, Friedrich!" sagte die Frau. Seit sie verheiratet waren, hatte sie ihn nie wieder mit seinem Namen angesprochen. Der Bauer sah auf den Kalender an der Wand. Singende Soldaten marschierten darauf vor einem Kornfeld, in dem ein anderer Bauer stand, breitbeinig, zufriedenen Gesichts. Er hatte einen
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