DER TAUFPFENNIG

Nachdem er den Suppenteller mit einem Stück Brot aus­gewischt hatte, stand er auf, hob den breitkrämpigen, schwar­zen Hut vom Nagel und öffnete die Tür.

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, Wohin gehst du?" rief die Frau.

,, Zum Gotthelf", sagte der Bauer.

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Wohin?" fragte die Frau noch einmal, denn das Kind hatte zu schreien begonnen. Es war acht Wochen alt und noch immer nicht getauft worden.

Sollte der Junge ein Heide bleiben? Neben der Tür hing ein winziges Becken mit geweihtem Wasser und über dem Bett das Bild der Jungfrau Maria. Sie waren katholisch ge­traut worden und hatten sich vorgenommen, alle Jahre ein­mal zur Beichte zu gehen. Doch davon wurde das Kind kein Christ. Es mußte getauft werden, und die Taufe kostete Geld, den ,, Taufpfennig", wie es der Pfarrer genannt hatte.

Der Bauer ließ die Tür wieder zufallen und trat an den Korb heran. Es war früh kalt geworden in diesem Herbst. Der Säugling sah gelb aus. Er schrie, die kleinen Fäuste bis zum Kopfe erhoben.

,, Es wird Hunger haben", meinte der Bauer.

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