dienen gäbe. Heinrich Überling, der Sohn, entschloß sich, in die Fabrik zu gehen. Es fiel ihm nicht leicht, denn er war an die Arbeit unter freiem Himmel gewöhnt. Er liebte das eigenbrötlerische Bauernhandwerk, bei dem man allein war und Zeit hatte, seinen Gedanken nachzuhängen. Aber es blieb nichts anderes zu tun übrig, denn der Hof verkam von Tag zu Tag. Der Alte war mit Heinrichs Entschluß sehr einverstanden. Glaubte er doch, daß sie nun vom Wohlergehen der Arbeiter profitieren könnten.
Gegen seine eigenen Erwartungen wurde Heinrich Überling rasch ein guter Arbeiter. Nicht nur, daß er schnell lernte, mit den Maschinen umzugehen; er lernte es auch, mit den Menschen umzugehen und ein guter Kamerad zu sein. Aber, wie eifrig er auch war, die wunderbare Rettung, die sich der Alte von Heinrichs Entschluß erhofft hatte, blieb aus.
Gewiß verdiente Heinrich nicht schlecht. Die Summe, die oben auf der rechten Ecke der Lohntüte stand, war rund und fett und gefiel dem Auge. Was aber in der unteren Ecke davon übrigblieb, nachdem all die kleinen Abzüge gemacht worden waren, die der Staat und seine Institutionen verlangten, war sehr viel bescheidener und recht unansehnlich.
Da Heinrich nun des Morgens und des Abends mit der Bahn fahren mußte, und da er sein Essen in der Stadt kaufte, brachte er nicht viel heim. Wenn man bedachte, daß auf der anderen Seite seine Arbeitskraft dem Hofe fehlte, schien es fraglich, ob die Mühe überhaupt lohne.
Alles in allem waren also die Dinge nicht besser geworden, und Heinrich war oft verdrossen, wenn er das Elend zu Hause sah und sein eigenes Elend, welches darin bestand, daß er die schwere Last des Arbeiters zu tragen hatte und gleichzeitig die Unselbständigkeit des Bauernsohnes erdulden mußte.
Er schrieb die Schuld den Zeiten zu und denen, die Herren der Zeit waren, den Braunen. Sie gaben den Bauern nicht,
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