EIN MANN NAMENS ÜBERLING

Der Mann hieß Heinrich Überling, und die Geschichte, die hier von ihm erzählt wird, ist wahr. Das sei vorausgeschickt, gewissermaßen zur Entschuldigung, weil sie so übel ausgeht. Wir haben uns daran gewöhnt zu denken, daß die Wahrheiten traurig sind. Das ist aber nicht so. Gewiß fehlt es in unserer Zeit nicht an traurigen Erlebnissen, aber die Wahrheit hat immer einen frohen Kern. Vielleicht findet ihn der Leser trotz allem auch in dieser Geschichte.

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Der Mann also hieß Heinrich Überling, und er sah genau so aus, wie man sich einen Mann solchen Namens vorstellen mag. Er war dunkelblond. Meist hing ihm eine Haarsträhne ins Gesicht hinein, das recht unauffällig war, einen schönen Mund hatte und immer einen Zug von Nachdenklichkeit trug. Das mochte aber nur daher kommen, weil die Nase ein wenig schief im Gesicht stand. Um Heinrich Überlings Alter zu be­stimmen, genügt es nicht, wenn wir sagen, daß er achtund­zwanzig Jahre hatte, denn für einen Bauernsohn war er damit noch jung, als Arbeiter aber hatte er schon die Hälfte seines Lebens hinter sich.

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Heinrich Überlings Vater besaß einen Bauernhof im Thü