Hermann schimpfte: ,, Jetzt sind wir so weit, daß wir nicht einmal das Maul halten dürfen, wenn wir mögen."
,, Singt doch, singt", ermunterte der Würzburger die anderen. Er sah düster vor sich hin und sagte pathetisch: ,, Singend in den Tod." Das hatte er einmal gelesen, und es hatte ihm gefallen. Alles Unheimliche gefiel ihm. Als Kind war er an den Frühlingsabenden oft aus der Bäckerstube an den Main heruntergelaufen, wenn der mit dem Tauwasser über die Ufer getreten war. Vor der quirlenden, saugenden Flut hatte er sich geängstigt. Und er fürchtete sich jetzt eigentlich auch. Aber er gab mächtig an: ,, Ihr habt ja, scheint's, die Hosen alle gestrichen voll."
Hühnchen wollte etwas erwidern, aber Hermann winkte ab. Der Würzburger bemerkte es und sah wütend zu Hühnchen hinüber..
Die Nacht verbrachten sie in einer Scheune vor einem Bergdorf. Aus dem trockenen Lehmboden stieg ein stickiger Geruch auf. Der Wind ächzte draußen in den Bäumen, und durch die Ritzen zwischen den Holzplanken zog es schneidend kalt. Sie hatten nicht genügend Decken mit, und Stroh war nirgends zu finden. Obwohl sie sich, in ihre Mäntel gehüllt, eng aneinanderpreßten, froren sie.
Am Morgen wurde scharfe Munition ausgeteilt. Der Nebel lag dick auf den Bergen, und die Luft war so voller Nässe, daß sie alles im Handumdrehen durchfeuchtete, den rauhen Uniformstoff der Waffenröcke und die braunen Pappschachteln mit den Ladestreifen. Außer neunzig Schuß bekam jeder Mann noch drei Handgranaten. Der Würzburger war nicht mehr so laut wie am Tage zuvor. Der Feldwebel hatte dem Hauptmann vorgeschlagen, die Handgranaten nur an die Leute auszufolgen, die auch Beutel empfangen hatten. Jedoch der dickköpfige Kompanieführer bestand auf seinem Befehl: Drei Handgranaten pro Mann.
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