dere Ende der Stadt. Still waren die Straßen, der Schein der wenigen Lampen glitzerte auf dem Schnee. Pecks Finger, die den Henkel des Kleistertopfes umspannten, wurden steif vor Kälte.

Hat es wirklich einen Sinn, was ich da treibe, fragte er sich, als er wieder begann, an Mauern und Wände seine Zettel zu kleben:

99

, Mit dem Tode wird bestraft..."

,, Mit dem Leben wird belohnt..

66

Der Tod schreckte noch immer. Wen aber lockte wohl das Leben? War es nicht dumpf und leer und freudlos geworden für die, zu denen seine Zettel sprechen sollten? Alle Farbe war doch aus ihm gewichen, alle Lust. Weder Hoffnungen, noch Erwartungen waren mit ihm verknüpft. Alles war eins, der gestrige Tag, das Heute und das Morgen, eine graue zähe Masse. So war es doch für die meisten, die sich treiben ließen im Strom des Verderbens und nur einen Willen hatten, näm­lich den, die Augen zu verschließen vor den Dingen, die rings­um vor sich gingen, und auch vor den Dingen, die ihnen selbst geschahen. Würden Pecks Zettelchen das Wunder vollbringen und ihnen die Augen öffnen? Und wenn sich noch einer fin­den sollte, dem das Leben lebenswert ist, wie wird er es ris­kieren wollen?

Mit frostroten Fingern tastete Peck über die weißen Ziegel der Fabrikmauern, über den glatten, behauenen Stein herr­schaftlicher Häuser, über den rauhen Putz auf dem Zement der Mietskasernen. Wie an der Setzmaschine, verrichtete er auch diese Arbeit des Zettelklebens rasch und mit umsich­tiger Gründlichkeit. Er wählte die Plätze für seine Bot­schaften so, daß sie gut zu sehen waren und doch nicht zu leicht entfernt werden konnten.

Hatte er einen Straßenzug beendet, wandte er sich zu­frieden und nicht ohne Eitelkeit um, bevor er weiterschritt

20