Für eine Stunde ohne Zelle. Wieder Bewegung über fünf Quadratmeter hinaus. Wieder Schritte ohne Wand und ohne Gitter. Wieder Handlungen über den Tisch, über den Stuhl hinaus ins Freie der Gänge.
Wieder Fegen und Schreiten, Säubern und Sich- ‘ bewegen. Der Besen flog wie ein Ruder durch den Staub. Im kurzen Bogen des Flurs öffnete sich ein Halbkreis mit Licht und Sonne. Die oberen Fenster des Stockwerkes waren. geöffnet. Es roch nach Früh- ling und erstem Blühen. Auf die Bäume konnte man sehen, auf die Äste mit den jungen Blättern, die als Knospen am Holz saßen.
Wieder Schreiten und Fegen, Fegen und Genießen. Jeden Schritt genießen. Jede Bewegung erleben. Jeden Blick auskosten, auch wenn er nur Wände traf, aber es waren fließende Wände und fließender Boden. Keine Wände, die stillstanden, kein Boden, der begrenzt war. Nicht nur den Kopf frei haben und die Sinne schwingen lassen, sondern den Körper frei haben und die Glieder ausschwingen.
Schreiten und Fegen. Fegen und Genießen. Jede Ecke wurde zum Eiland der Arbeit, jeder Winkel zur Entdeckung von Freiheit und Bewegung. O, diese herr- liche Mühe!
Vorüber an der schmalen Zellentür mit dem kleinen Be- achtungsfenster für den Wachhabenden auf dem Flur.
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