gen wir jetzt mit der Frau Doktor an? wandte er sich fragend an den Polizeibeamten. Nach kurzer Besprechung kamen sie überein, es wäre das beste, mich sofort nach Anlegen einer Schiene und eines Interimsverbandes in das Kantonspital nach Schaffhausen zu bringen.Man wird sich zuerst ein bißchen wundern, wenn eine Frau mit einem Beinbruch als Notfall eingeliefert wird, aber das macht nichts, es ist am richtigsten so. Ich werde gleich selbst nach einem Auto telephonieren, es gibt eines, in das man bequem einen Kranken betten kann, schloß der Arzt, zufrieden, eine Lösung gefunden zu haben.

Inzwischen hatte die Spritze ihre Wirkung getan. Vor- sichtig begann der Arzt, den Stiefel abzuziehen. Es tat noch gehörig weh, aber was machten mir diese Schmerzen schon aus! Der Stiefel war herunter, die Schiene wurde angelegt und ein Verband gemacht. Dann telephonierte der Doktor nach dem Wagen.

Ich mußte eingeschlummert sein, ich erwachte nur halb, als der Arzt mit Hilfe der Zollwächter mich in das Auto trug. Es tut mir jetzt leid, daß ich nicht imstande war, den freundlichen Menschen richtig zu danken!

Der Wagen fuhr durch die Nacht; ich kann nicht sagen wie lange, doch erfuhr ich hinterher, daß ich gegen halb ein Uhr im Spital ankam.

Ich erwachte, als wir vor einem beleuchteten Hause hiel- ten, ich aus dem Auto geholt und eine Treppe hinaufge- tragen wurde. Zwei weibliche Wesen, darunter eine Dia- konissin, begannen mich zu entkleiden. Ganz von ferne hörte ich ihr leises Lachen, als immer noch eine Hülle her- unterzuziehen war. Doch war ich viel zu müde, um etwas sagen zu können. Ich war ganz wunschlos, hatte ich doch mein Ziel erreicht: Das schlimme, gefährliche und doch oft so wundersame Leben in Gesetz- und Rechtlosigkeit war zu Ende!

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