Ausweis hatte! Schon als ich ihm die Zimmer zeigte, war mir der Gedanke gekommen, Lotte auf diese Weise durch­zuschmuggeln", sie brach in ein erregtes Lachen aus. All­mählich wurden auch den anderen die Zungen gelöst, im Reden entspannten wir uns ein wenig. ,, Mir ist richtig schlecht geworden, als ich den Polizisten in der Türe stehen sah", sagte Lotte. ,, Du Armes", rief Evchen mitleidig ,,, du warst ja auch von uns allen am schlimmsten dran, und ich freue mich, daß ich dir helfen konnte!"

Etwa eine halbe Stunde später verließ ich das Haus. Niemand begegnete mir auf der Treppe und im Hausflur. Gerade vor der Haustür war eine Tramhaltestelle, es konnte nicht weiter auffallen, wenn ich mich dort zu den übrigen Wartenden gesellte. Ich ging hin und her, meine Augen suchten die Straße auf beiden Seiten ab. Nichts Ver­dächtiges war zu sehen. Ich wartete etwa fünf Minuten, dann ging ich langsam zum Untergrundbahnhof und tele­phonierte. Evchens Stimme meldete sich. Ich hörte sie auf­atmen, als ich die verabredeten Sätze sprach.

Ich fuhr nach Hause. Lene, die ich zuerst allein antraf, war tief erschrocken, auch Peter und Eva waren bestürzt, nachdem ich ihnen alles berichtet hatte. ,, Armes Buddeli", sagte Eva Merkel herzlich ,,, wie hast du dich mit dem Post­ausweis gefreut, und gleich muß wieder ein Dämpfer kom­men." ,, Weißt du, Buddeli", meinte Peter nachdenklich, ,, ich glaube, es wäre am besten, wenn du recht bald reisen würdest. Und bis dahin solltest du zu unseren Freunden gehen." ,, Peter hat recht, packe noch heute deine Sachen, es sind ja nicht viel, behalte nur das Notwendigste zurück, und fahre morgen früh zu Fritz K. Einer von uns kann dich, wenn du das Haus verlassen hast, telephonisch von einer öffentlichen Fernsprechstelle aus anmelden", erklärte Lene. ,, Meint ihr, ich könnte trotzdem in Mitteldeutschland Station machen, wie es ursprünglich geplant war, oder soll ich direkt nach Freiburg fahren?" fragte ich zaghaft. ,, Du kannst ruhig unterwegs bei deiner Studienfreundin Eva

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