Aber wenn sie Ihnen die geringsten Schwierigkeiten macht, lasse ich sie für eine Woche durch Sie einsperren!" Damit nickte er gnädig und verschwand. Mir war ein Stein vom Herzen. Rasch zu dem Ehepaar N. N., wo ich die Frau ziemlich kleinlaut dessen harrend fand, was nun über sie beschlossen war. Sie atmete doch erleichtert auf, als ich ihr berichtete, daß sie gehen könne. Aber ich verhehlte ihr nicht, daß ich mir künftig keine Ungezogenheiten mehr von ihr gefallen lassen würde.
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Berg a. Laim, Sonntag, den 5. Juli 1942
Die Deportationen haben wieder eingesetzt! Anfang dieser Woche hat man unser ganzes Krankenheim mit dem leitenden Arzt, der Oberin, den meisten Schwestern und allen Kranken evakuiert. Ich erfuhr es durch einen Anruf von Stahl, der sich gleichzeitig zu einer Besprechung anmeldete. Er erzählte mir dann, daß diese Deportation nicht nach Polen gehe, sondern nach Theresienstadt im Sudetengau. Die Reichsvereinigung habe mitgeteilt, daß dort ein großes Ghetto errichtet werde. Vor allem sollten alle Alten über fünfundsechzig Jahre, die Schwerkriegsbeschädigten aus dem vorigen Krieg, die jüdischen Mischlinge und die im letzten Weltkrieg mit Tapferkeitsmedaillen oder dem Eisernen Kreuz 1. Klasse besonders ausgezeichneten Juden dorthin gebracht werden. Auch besonders tüchtige Angestellte der jüdischen Gemeinden und solche, die sich aus irgendeinem Grunde die Protektion einflußreicher ,, Arier" erfreuen, sollen dorthin evakuiert werden. Es scheine, als wolle man dort eine Art Elite- Ghetto aufziehen, zu dem man eventuell auch Ausländern Zutritt gewähren könne. Wie weit das zutreffe, wisse er nicht sicher, immerhin sei es entschieden besser als nach Polen geschickt und
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